Thesaurus fotografischer Verfahren
Die Identifizierung fotografischer Verfahren dient der Datierung und der Festlegung geeigneter konservatorischer Maßnahmen. Moderne farbfotografische Prozesse lassen sich manchmal nicht allein aus dem visuellen Bestand heraus feststellen. In Zweifelsfällen empfiehlt sich zur Bestimmung das Heranziehen einschlägiger Literatur oder von Fachleuten.
Schwarzweiß-Unikatverfahren
- Daguerreotypie
Farbton: weißlich-grau, grauschwarz, braunschwarz. Kolorierung möglich. Oberfläche: Silber, glänzend, Spiegeleffekt, am Rand oft farbige Ablagerungen sichtbar. Lichtempfindliche Substanz: Silberchlorid, das mit Quecksilber in Amalgam überführt wird. Trägermaterial: Kupferplatte mit aufgewalzter oder elektrolytisch aufgebrachter Silberschicht. Meist gerahmt oder in Klappetuis. 1839 bis ca. 1860. - Ambrotypie
Farbton: cremefarben/grau, Kolorierung möglich. Oberfläche: glänzend. Bindemittel: Kollodium. Träger: Glas. Lichtempfindliche Substanz: Silberjodid oder –bromid. Unterbelichtetes Negativ, das durch eine schwarze Lackierung oder Hinterlegung mit Papier oder Textil positiv erscheint. Meist gerahmt oder in Klappetuis. 1852 bis ca. 1890. - Pannotypie
Farbton: cremefarben, grau. Kolorierung möglich. Oberfläche glänzend, je nach Träger strukturiert. Bindemittel: Kollodium. Lichtempfindliche Substanz: Silberjodid und –bromid. Träger: schwarzes Leder, gewachstes Leinen. Kollodiumschicht wurde von Glasplatte auf das Trägermaterial übertragen.1853 bis ca. 1860. - Ferrotypie
Farbton: cremefarben/grau. Kolorierung möglich. Oberfläche glänzend, häufig unregelmäßige Schicht, manchmal lederartig geschrumpft. Bindemittel: Kollodium, später Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberjodid oder –bromid. Träger: schwarz lackiertes Eisenblech. Gerahmt, in Klappetuis oder Papierpassepartouts. 1855 bis ca. 1930.
Schwarzweiß-Negativverfahren
Papiernegativ
- Kalotypie
Farbton: rotbraun, purpur, gelblich. Oberfläche: matt. Lichtempfindliche Substanz: Silberjodid. Träger: Papier, ggf. gewachst. 1840 bis ca. 1855
Glasnegativ
- Nasses Kollodiumverfahren
Farbton: cremefarben weiß, gelblich. Oberfläche: glänzend, unregelmäßiger Auftrag (Schlieren, freie Ecken), Aussilbern möglich, häufig lackiert, Rückseite glänzend. Bindemittel: Kollodium. Lichtempfindliche Substanz: Silberjodid. Träger: (dickes) Glas, Kanten häufig unregelmäßig. 1851 bis ca. 1900. - Gelatinetrockenplatte
Farbton: neutralgrau. Oberfläche: halbmatt, Rückseite glänzend, Aussilbern möglich. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Subtanz: Silberbromid. Träger: (dünnes) Glas, maschineller Zuschnitt. Retusche mit rotem Lack sowie Graphit beidseitig möglich. Ca. 1878 bis heute.
Kunststoffnegativ
- Zellulosenitratfilm
Farbton: Silberbild schwarz, Träger neutralgrau, gelblich-braun, bernsteinfarben. Oberfläche: halbmatt, Rückseite glänzend. Bindemittel: Gelatine. Träger: Zellulosenitrat. Leicht brennbar. Evt. Geruch nach Salpetersäure. 1889 bis ca. 1955. - Azetatfilm
Farbton: Silberbild schwarz, Träger hellgrau, farblos. Oberfläche: halbmatt, Rückseite glänzend. Bindemittel: Gelatine. Träger: Zellulosedi- oder triazetat. Häufig Bezeichnung als „Safety film“ am Rand. Evt. Essiggeruch, einhergehend mit Schrumpfung des Trägers und Verwerfungen und Blasenbildung der Emulsion (Vinegar Syndrom) 1920 bis heute. - Polyesterfilm
Farbton: Silberbild schwarz, Träger hellgrau, farblos. Oberfläche: halbmatt, Rückseite glänzend. Bindemittel: Gelatine. Träger: Polyester, dünner als Azetatträger. Identifizierung mit Hilfe gekreuzter Polarisationsfilter. 1950 bis heute.
Positivverfahren auf Papier
Papier ohne Schicht
- Salzpapier
Farbton: gelbbraun, rotbraun, schokoladenbraun, purpur. Oberfläche: matt. Lichtempfindliche Substanz: Silberchlorid, Auskopierprozeß. Träger: Papier. Papierfasern sichtbar. Übermalungen häufig. Oft Ausbleichungen an den Rändern.1840 bis ca. 1865 - Cyanotypie
Farbton: blau. Oberfläche: matt. Lichtempfindliche Substanz: Eisensalz. Träger: Papier. Papierfasern sichtbar. 1842 bis ca. 1950. - Platindruck
Farbton: neutralgrau, warm- bis braunschwarz. Oberfläche: matt. Lichtempfindliche Substanz: Eisensalz, bildformende Substanz Platin. Träger: Papier. Papierfasern sichtbar. Keine partiellen Ausbleichungen. 1880 bis ca. 1930.
Papier mit einer Schicht
- Albuminpapier
Farbton: gelbbraun, rotbraun, schokoladenbraun, purpur, die Lichter gelblich. Kolorierung möglich. Oberfläche: glänzend, oft mit Haarrissen, Aussilbern möglich. Bindemittel: Albumin (Eiweiß). Lichtempfindliche Substanz: Silberchlorid, Auskopierprozeß. Träger: Papier. Bei unaufgezogenen Kopien Tendenz zum Einrollen.1850 bis ca. 1920. - Pigmentdruck
Farbton: alle Farben möglich, auch mehrfarbig. Oberfläche: glänzend, Gelatinerelief, häufig Haarrisse in den dunklen Partien. Schatten glänzender als Lichter. Bindemittel: Gelatine mit Pigmenten. Lichtempfindliche Substanz: Dichromatsalze. Träger: Papier. Keine partiellen Ausbleichungen. 1860 bis ca. 1940. - Gummidruck
Farbton: alle Farben möglich, auch mehrfarbig. Oberfläche: halbmatt, Schatten bei dicker Schicht glänzend oder gelegentlich durch Lackierung vollständig glänzend, Auswaschrelief. Bindemittel: Gummi Arabicum mit Pigmenten. Lichtempfindliche Substanz: Dichromatsalze. Träger: Papier. In den Lichtern Papierfasern besser sichtbar als in den Schatten. Keine partiellen Ausbleichungen.1894 bis ca. 1920. - Ölpigmentdruck
Farbton: alle Farben möglich. Oberfläche: glänzend, Gelatinerelief. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Dichromatsalze. Träger: Papier. Einfärbung des Gelatinereliefs mit Ölfarbe. Gelegentlich Pinselstriche sichtbar. Keine partiellen Ausbleichungen. 1904 bis ca. 1930.
Papier mit zwei Schichten
- Kollodiumpapier
Farbton: schokoladenbraun, purpurn, Lichter klarweiß. Oberfläche: stark glänzend, im Gegenlicht irisierend oder matt. Bindemittel: Kollodium. Lichtempfindliche Substanz: Silberchlorid, Auskopierpapier. Barytschicht: Bariumsulfat, bei matter Oberfläche sehr dünn mit durchscheinenden Papierfasern. Träger: Papier. Aussilberungen möglich. Empfindlich gegen Abrieb, Konturen von Kratzern scharf begrenzt. 1865 bis ca. 1920. - Gelatinesilberpapier
Auskopierpapier
auch POP (Printing-Out-Paper)
Farbton: schokoladenbraun, purpur. Oberfläche: glänzend, matt oder strukturiert. Aussilbern möglich. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberchlorid, Auskopierprozeß. Barytschicht: Bariumsulfat. Träger: Papier. Dicke Barytschicht überdeckt den Papierfilz. Mattierung durch Reisstärke oder Schellack, Strukturierung durch Prägung der Barytschicht. Konturen von Kratzern weich. 1885 bis ca. 1920.
Entwicklungspapier
auch DOP (Developing-Out-Paper)
Barytpapier
Farbton: warm- bis blauschwarz, braun, rötel. Oberfläche: matt, glänzend oder strukturiert. Aussilbern häufig. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberchlorid, -bromid, -jodid oder Mischemulsion. Entwicklungspapier. Barytschicht: Bariumsulfat. Träger: Papier. 1890 bis heute.
Kunststoffpapier
auch PE-Papier, RC-Papier (Resin Coated)
Träger beidseitig mit Polyethylen-Kunststoff (PE) beschichtet. Reflektionsschicht aus PE und Titandioxid. Frühe Abzüge weisen häufig Haarrisse und abblätternde Emulsionen auf. Rückseite glatt, mit Bleistift schwer beschreibbar. 1970 bis heute.
- Bromöldruck
Farbton: alle Farben möglich. Oberfläche: leicht glänzend, eingefärbtes Gelatinerelief. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberbromid. Bildformende Substanz: Pigmente. Barytschicht: Bariumsulfat. Träger: Papier. Keine partiellen Ausbleichungen. 1907 bis ca. 1940
Farbfotografie
- Farbrasterverfahren
Transparent. Oberfläche: glänzend. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberhalogenide, panchromatisch. Träger: Glas oder Film. Belichtung und Betrachtung durch Raster aus roten, grünen und blauen Stärkekörnern oder Linien. Diapositive. 1895 bis ca. 1950. - Farbdiapositiv
Transparent, Schichtseite halbmatt, Rückseite glänzend. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberhalogenide in mehreren Schichten, panchromatisch, bildformende Substanz: Azomethinfarbstoffe. Trägermaterial: Azetat- oder Polyesterfilm. Chromogene (farbstoffbildende) Umkehrentwicklung. 1936 bis heute - Farbnegativ
Transparent, Schichtseite halbmatt, Rückseite glänzend. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberhalogenide in mehreren Schichten, panchromatisch, bildformende Substanz: Azomethinfarbstoffe. Trägermaterial: Azetat- oder Polyesterfilm. Chromogene Entwicklung. Maskierte Farbnegative haben einen roten Grundton.1942 bis heute - Farbabzug
Oberfläche: matt, glänzend oder strukturiert. Bindemittel: Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberhalogenide in mehreren Schichten, panchromatisch, bildformende Substanz Azomethinfarbstoffe. Trägermaterial: Barytpapier ab 1970 PE-Papier. Chromogene Entwicklung. Unbelichtete Ränder sind weiß. 1942 bis heute - Silberfarbstoffbleichverfahren
nach Produktnamen auch als Cibachrome, Ilfochrome bezeichnet.
Oberfläche Spiegelhochglanz oder Hochglanz, leicht metallisch. Bindemittel Gelatine. Lichtempfindliche Substanz: Silberhalogenide in mehreren Schichten, panchromatisch, bildformende Substanz Azofarbstoffe. Trägermaterial opakes Polyester, PE-Papier. Chromolytische (farbstoffzerstörende) Entwicklung. Unbelichtete Ränder sind schwarz.1968 bis heute. - Farbstoffübertragungsverfahren / Absaugverfahren – Dye Transfer
Oberfläche: meist halbmatt. Bindemittel: Gelatine. Bildformende Substanz: Azofarbstoffe. Trägermaterial Papier mit Barytschicht. Von drei in Gelb, Magenta und Cyan eingefärbten Gerbreliefs werden die Farben auf ein barytiertes Trägerpapier übertragen. Evtl. Essiggeruch. 1947 bis ca.1993 .
Nachbearbeitung
- Tonung
- Kolorierung
- Klebemontage
- Retusche
Retusche, opak
Retusche, transparent
Retusche, transparent (Tusche)
Retusche, transparent (Graphit)
Autorin:
Marjen Schmidt, vgl. auch Dies.: Fotografien in Museen, Archiven und Sammlungen. Konservieren – Archivieren – Präsentieren, München 1994.
nach oben