Fotosammlungen in Sachsen

Praxistipps zur Bestandserhaltung

 

1. Ziele und Maßnahmen

Je mehr der im folgenden benannten Maßnahmen Sie verwirklichen, desto sicherer können Sie sein, zur Bewahrung Ihrer kostbaren Fotobestände beigetragen zu haben, die schließlich als originale Objekte und nicht in irgendwelchen Reproduktionsformen in Archiven und Museen überdauern sollen.

Nicht alle hier vorgestellten Empfehlungen lassen sich sofort und in vollem Umfang realisieren. Daher ist es wichtig, mit einfachen Dingen zu beginnen, die kein oder wenig Geld kosten, wie zum Beispiel:

Kostenintensivere Anschaffungen wie Archivmöbel oder die Planung eines eigenen Fotodepots lassen sich am besten über längere Zeiträume planen, die Anschaffung von Verpackungsmaterialien entlang von Schwerpunktsetzungen nach Bedeutung und Empfindlichkeit der Objekte.

 

2. Schadensbilder

So komplex wie der Aufbau von Fotografien ist, so vielfältig sind auch die Schadensbilder. Ursachen können endogene und exogene Faktoren sein. Zu den endogenen Faktoren zählen die physikalischen und chemischen Eigenschaften der verwendeten Materialien. Dies gilt besonders für chromogen entwickelte Farbmaterialien und Zellulosenitratfilme. Die Qualität der handwerklichen Ausführung der Entwicklungs- und Fixierprozesse spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Nicht zuletzt ist die Hantierung mit den Fotografien zu nennen – auch die im Depot, bei der Benutzung und Ausstellung.

Folgende Schadensbilder können auftreten:

Physikalische Schäden

Chemische/biologische Schäden

Als exogene Schadensursachen sind ungünstige klimatische Aufbewahrungsbedingungen, ungeeignete Verpackungsmaterialien und Archivmöbel, unsachgemäße Handhabung, falsche Beschriftung und zu helle Beleuchtung zu nennen. Generell ist zu sagen, dass bei hoher Luftfeuchte und hoher Temperatur Abbauprozesse der bilderzeugenden Materialien und der übrigen Komponenten wesentlich beschleunigt werden.

 

3. Archivierung – Konservierung

Aus diesen Schadensbildern und -ursachen lassen sind einige Regeln für den sachgerechten Umgang mit fotografischen Beständen ableiten. Diese betreffen

3.1 Raum

Keinesfalls sollen Fotografien in regelmäßig als Büros genutzten Räumen untergebracht sein – die Wärme und die Temperaturschwankungen sind wesentliche Zerstörungsfaktoren. Ein separater Archivraum für die Fotosammlung ist zu empfehlen, doch können auch schon einfache Maßnahmen wie die Umlagerung in einen durchgehend kühlen Depotraum schon ein wichtiger Fortschritt sein. Allerdings sind auch dann bestimmte Schadensquellen auszuschließen:

3.2 Handhabung

 3.2.1 Inventarisierung, Beschriftung

3.3 Verpackung

Die Wahl der Archivierungsmaterialien hängt von der Häufigkeit des Gebrauchs und von der Qualität Ihrer Erschließung ab. Hierauf sollten Sie Ihre Entscheidung abstimmen. Papier und Kunststoff als Verpackungsmaterial haben jeweils ihre Vor- und Nachteile:

3.3.1 Bei Negativen aus Zellulosenitrat ist zusätzlich zu beachten:

3.4 Erschließung/Reproduktion

Wesentliche Bestandsschonungsmaßnahmen sind eine gute Erschließung und die Anfertigung von Reproduktionen. Hierdurch kann langfristig Ihre Sammlung von Originalen in ein stilles Archiv umgewandelt werden, auf das Sie und Ihre Nutzer nur in wenigen besonderen Fällen zugreifen müssen, während die meisten Recherchen eben anhand der Reproduktionen erfolgen können.

3.5 Ausstellen

Verfahren

Beleuchtungs-Stärke (Lux)

jährlich maximale Belichtung (lx.h)

Beispielrechnung: Belichtung während einer 3monatigen Ausstellungsdauer, 6 Tage/Woche, 8 h/Tag

Fotografien 19.Jh.,
chromogen entwickelte Farbfotografien,
kolorierte Fotografien

50 Lux

12.000 lx.h

28.800 lx.h

jährlich max. Belichtung damit bereits weit überschritten – d.h. z.B. Ausstellungsdauer reduzieren oder Fotografien innerhalb von 2 Jahren nicht wieder ausstellen

s/w Fotografien auf PE-Papier, Fotografien des Silberfarbstoff-Bleichverfahrens

 

75 Lux

42.000 lx.h

43.200 lx.h

s/w Fotografien mit Barytschicht

100 Lux

84.000 lx.h

57 600 lx.h

 
4. Bezugsquellen

5. Konservatorische Beratung

Ulrike Müller

Hauptstr. 6, 01454 Radeberg, Tel.: 03528/414967, Mobil: 0175/8954823, e-Mail: photorestaurierung@gmx.de

oder

c/o SLUB/Deutsche Fotothek, Zellescher Weg 18, 01069 Dresden, Tel.: 0351/4677-635

 

Autorin: Ulrike Müller


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