Objektfotografie
Nach Möglichkeit arbeiten Sammlungen sowohl für analoge wie für digitale Aufnahmen mit professionellen Fotografen zusammen, um optimale Bildqualitäten zu erhalten. Dies gilt insbesondere für Sicherheitsverfilmungen und Druckvorlagen.
Für selbst anzufertigende, sammlungsinterne digitale Dokumentationen für die Datenbank (oder zur Ausgabe für Karteien) sollten hilfsweise die nachfolgenden Ratschläge beachtet werden. Dabei ist die Beschäftigung mit den Bedienungsanleitungen der Geräte sowie mit einführender Fachliteratur in die digitale Bildbearbeitung im Interesse guter Resultate nützlich.
Geräte
Kamera
Aufnahmechips mit einer Auflösung von max. 6 Mio. Pixel sind für digitale Objektaufnahmen ausreichend. Weißabgleich beachten (s. Bedienungsanleitung).
Objektiv
Im Falle von Kameras mit Wechselobjektiven sind Festbrennweiten von 50mm und länger, bezogen auf Kleinbild, zu empfehlen. Kürzere Brennweiten mit kurzen Aufnahmeentfernungen erzeugen übertriebene Perspektiven. Ansonsten können Kompaktkameras mit Zoomobjektiv benutzt werden.
Stativ
Ein Stativ bzw. eine Reproeinrichtung sind für unverkantete Aufnahmen mit regelmäßigem Aufnahmeabstand und längerer Belichtungszeit zwingend erforderlich.
Monitor-Kalibrierung
Helligkeit, Kontrast und Farbbalance mittels üblicher Referenzbilder/Dateien (z.B. von www.eci.org als Desktop-Hintergrundbild laden) am Monitor einstellen. Dieses in gewissen Abständen kontrollieren bzw. wiederholen oder mit Hilfsprogrammen wie Adobe Gamma arbeiten und diese Einstellungen definieren. Noch besser: mittels Farbmessgerät (z.B. ColorVision oder Gretag Eye one) und genauer Anleitung ein Monitorprofil erstellen und auf dem Rechner speichern.
Licht
Fotolampen werden bei Betrieb sehr heiß. Spätestens nach 10 min. für 2 min. ausschalten (Betriebsanleitungen beachten). Bei Leuchtstofflampen ist dies nicht notwendig. Blitzanlagen sind die bessere Variante, sie setzen aber eine Lichtmessung mit einem Blitzbelichtungsmesser voraus. Farbtemperatur: Fotolampen 3200 bis 3400 Kelvin; Leuchtstofflampen für Fotozwecke meist tageslichtähnlich 5000 bis 6000 Kelvin. Blitzgeräte sind ebenfalls tageslichtähnlich.
Ausleuchtung
Bei der Reproduktion von zweidimensionalen Vorlagen sollen zwei Leuchten jeweils im Winkel von 45° zur optischen Achse stehen. Auf Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung ist zu achten. Bei dreidimensionalen Objekten ist die Beleuchtung vom Objekt und dessen Wirkung abhängig.
Hintergrund
Die Wahl des Unter- oder Hintergrunds ist objektabhängig und soll die Präsentation des Gegenstands unterstützen. Neutrale Hintergründe sind Verlaufshintergründen vorzuziehen.
Aufnahme
Objekt
Objekt gerade ausrichten, Schärfe so einstellen, daß der Schärfepunkt in der Mitte der Tiefenausdehnung oder leicht in Richtung des vorderen Drittels des zu fotografierenden Objektes liegt. Ausreichend Abstand zum Bildrand beachten und Platz für Farb- und Grauwerteskalen berücksichtigen.
Referenzgrößen
Für die Festlegung objektiver Farbreferenzwerte immer eine Grau- und Farbkarte nah an das Objekt legen, ohne es zu überschneiden. Farb- und Grauwerteskalen gehören immer an die untere Bildseite, auch bei hochformatigen Aufnahmen. Inventarnummer und Maßstab neben die Farb- und Grauwertskalen legen.
Datenformat
TIF-Format (oder jpg-Format mit hoher Qualitätsstufe) verwenden. (Alternative: Arbeiten in einem professionellen, sog. Rohdaten-Format der Kamera. Dies erfordert aber spezielle Software und Einarbeitung in dieses Thema.)
Belichtung
Für gute Bildqualität mit niedriger Empfindlichkeitseinstellung (ISO-Wert) arbeiten. Priorität wird die Blendenzahl haben (bei Repro mittlere Abblendung, bei Objekten ggf. die Blende weiter schließen = höhere Blendenzahl), um die erforderliche Schärfentiefe zu erreichen. Daraus ergibt sich eine bestimmte Belichtungszeit. Nach erfolgter Aufnahme ist im Histogramm die Tonwertverteilung und damit eine mögliche Unter- oder Überbelichtung sichtbar. Aufnahme ggf. mit korrigierter Belichtung wiederholen.
Wenn mit einer Blitzlichtanlage gearbeitet wird, muss diese so eingestellt werden, dass beim Messen mittels Blitzbelichtungsmesser ein passender Blendenwert erreicht wird. Dieser wird dann an der Kamera eingestellt. Die Verschluss-(Belichtungs-)Zeit wird so kurz gewählt, wie die Kamera es für Blitzaufnahmen erlaubt (die sogenannte Synchronzeit: 1/125 s oder ggf. noch kürzer). Nach erfolgter Aufnahme ebenfalls mittels Histogramm-Anzeige die Belichtung kontrollieren.
Dateiname
Zur Verwaltung der Bilddaten empfiehlt es sich, die Inventarnummer als Bezeichnung des Bilddatensatzes anzugeben.
Bildbearbeitung
erfordert zumindest Wissen aus der Grundlagen-Literatur über Tonwertverteilungen (Histogramme), Bildgrößen und -auflösung usw.
Speicherung
Qualitätsstufen
Im unkomprimierten TIF-Format werden MByte-Werte entstehen, die knapp der Zahl der Megapixel der Kamera multipliziert mit Faktor 3 entsprechen. Ganz wichtig ist die Frage nach der Anzahl der nötigen Pixel für geplante bzw. künftige Verwendungen der Bilder (Ausdrucke oder nur Monitoransicht oder nur Web?). Für eine ausschließliche Vollbild-Darstellung am Monitor genügt ca. die eingestellte Auflösung des Monitors, z.B. 1024 x 768 Pixel. Aber: Die Auflösung von mit geringer Pixel-Anzahl gespeicherten Bildern kann später nicht beliebig bei guter Bildqualität erhöht werden.
Speicherplatz
Um Speicherplatz zu sparen, kommt evtl. auch die Speicherung im jpg-Format mit geringer Kompression bzw. hoher Qualitätsstufe in Frage. Häufiges weiteres Speichern im jpg-Format (z.B. nach erfolgter Bildbearbeitung) verschlechtert allerdings die Bildqualität.
Datensicherung
Das TIF-Format gilt als zukunftssicher und sollte verwendet werden. Für die Sicherung und Überlieferung der Informationen sind strategische Lösungen für eine Langzeitspeicherung notwendig. Sicher ist: CDs oder DVDs sind keine mittel- oder gar langfristig sicheren Speichermedien (vgl. Handreichung zur Langzeitsicherung digitaler Daten).
Autoren:
André Rous (Deutsche Fotothek Dresden), Franz Zadniček (Museen der Stadt Dresden)